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75 Jahre „Micky-Maus-Magazin“: Wo Micky, Donald und Co. Deutsch lernten
Erika Fuchs hat als Disney-Übersetzerin und Chefredakteurin der Zeitschrift „Micky Maus“ die deutsche Sprache geprägt. In Schwarzenbach an der Saale erinnert nicht nur ein Museum an sie.
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Köstlich, diese Anisplätzchen – kein Wunder, dass Erika Fuchs die Spezialität der Bäckerei Köppel im „Micky-Maus“-Magazin verewigt hat, dessen erste Ausgabe am 29. August 1951 veröffentlicht wurde. „Sie kam oft zu uns“, erzählt Petra Köppel, deren Familie die Bäckerei seit gut 100 Jahren betreibt.
Neben den Plätzchen steht ein Aufsteller mit einer Szene aus einem „Micky-Maus“-Heft von 1970, in dem die drei kleinen Schweinchen die Anisplätzchen „von der Bäckerei Köppel“ für ihre Großmutter einpacken: „Die mag sie bestimmt.“

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Wer durch Schwarzenbach an der Saale spaziert, ein verschlafen wirkendes 7000-Einwohner-Städtchen im oberfränkischen Landkreis Hof, der stößt an jeder Ecke auf Spuren dessen, was die 2005 gestorbene Übersetzerin und Chefredakteurin der „Micky Maus“ mit Sprachwitz und Zitierfreude aus den Disney-Comics mit Donald, Dagobert und Co. gemacht hat.

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Denn sie war mehr Neuschöpferin als Übersetzerin. Deswegen liegt für viele Fans Entenhausen nicht in Nordamerika, wie das US-Vorbild Duckburg, sondern an der Saale.
Zwischen Schübelsgässchen und Ochsenkopf
In einer Episode zum Beispiel schickt Dagobert seinen Neffen zum Kauf eines Wagens ins Autohaus Purucker in der Kirchenlamitzer Straße – die liegt einen Kilometer südlich der Bäckerei Köppel. Der tolpatschige Freund von Micky Maus, Goofy, bleibt einmal im Schübelsgässchen stecken – wenige hundert Meter vom einstigen Wohnhaus von Fuchs entfernt.

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Rund um die Stadt gibt es weitere Orte, deren Namen Entenhausen-Kennern vertraut sind: Klein- und Großschloppen, den Ochsenkopf (wo Onkel Dagobert einen Skilift hat) und den Fichtelsee (wo die Entenfamilie mal Urlaub gemacht hat), um nur einige zu nennen.

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Bis vor rund zehn Jahren musste man diese Spuren allerdings gut suchen, nur sporadisch wiesen kleine Schilder darauf hin. Die hatten meist Anhänger der Donaldisten aufgestellt, gut organisierte Verehrer von Erika Fuchs, Carl Barks und der von beiden auf unterschiedliche Weise geprägten Entenhausen-Welt.
Seit 2015 hat die Stadt ganz offiziell ihr popkulturelles Erbe angenommen: Im August jenes Jahres wurde das Erika-Fuchs-Haus im Stadtzentrum eröffnet – das erste deutsche Museum, das ausschließlich der Kunstform Comic gewidmet ist.

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„Ich hoffe, das wird eines der Highlights von Schwarzenbach, wenn nicht gar der Anziehungspunkt Nummer eins“, sagte der damalige Bürgermeister Hans-Peter Baumann (CSU) zur Eröffnung. Er und seine Frau Isolde hatten sich für den Tag etwas schneidern lassen: Er eine Fliege mit Donald-und-Daisy-Motiv, sie das passende Kleid im Entenlook.

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Gut eine halbe Million Euro hat die Stadt nahe der tschechischen Grenze in das Haus gesteckt, die restlichen viereinhalb Millionen kommen vom Land Bayern und privaten Förderern, die im „Klub der Milliardäre“ organisiert sind. 2024 erreichte das Museum nach eigenen Angaben die Marke von 100.000 Besucherinnen und Besuchern seit dem Eröffnungstag.
Von Goethe bis Gitte Haenning
Das Geld ist gut angelegt: Das Museum führt auf inzwischen rund 600 Quadratmetern ansprechend nicht nur in die Comicgeschichte ein. Es erläutert zudem die Bedeutung der Fuchs’schen Sprachkunst für die anhaltende Popularität der Geschichten um Donald und Co. Und es bietet viele Möglichkeiten, sich die Comicwelten spielerisch zu erschließen. Ein Renner vor allem bei Kindern ist die Station, an der man fotografiert wird, wenn man zu Comic-Begriffen Grimassen schneidet.

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Ein „Zitatenwirbler“ zeigt, wie Fuchs sich von Goethe („Wie herrlich leuchtet mir die Natur!“) bis Gitte Haenning bediente („Ich will 'nen Cowboy als Mann!“). Und an einer Wand kann man aus großen Buchstaben „Erikative“ formen, wie Fuchs-Fans sie nennen: verkürzte Verben (Inflektive) wie „knacks“, „gähn“ oder „klatsch“, mit denen die Übersetzerin die deutsche Sprache nachhaltig prägte.
Kernstück ist ein 130 Quadratmeter großer Nachbau Entenhausens. Dort kann man in Donalds Haus oder Daniel Düsentriebs Werkstatt vorbeischauen. Fuchs verewigte den Erfinder mit dem Spruch: ‚Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.‘“ Besonders beliebt bei den jüngeren Besuchern: ein Talerbad im Geldspeicher von Dagobert Duck.
Eine Bibliothek, Filme und ein gut sortierter Souvenirladen runden das Ganze ab. Dazu kommt ein Raum mit Fuchs-Hommagen deutscher Comicautoren von Ralf König bis zum früheren Tagesspiegel-Zeichner Flix. Wer sich alles in Ruhe anschaut, kann hier einen ganzen Tag verbringen.
Dass es dieses Museum überhaupt gibt, ist vor allem Gerhard Severin zu verdanken. „Ich war der Stein des Anstoßes“, sagte der ehemalige Richter dem Tagesspiegel 2015. Am Eröffnungstag des Fuchs-Hauses erkannte man ihn als Donaldisten: Auf dem Kopf eine blaue Mütze, die der Matrosenkappe von Donald nachempfunden ist, das Hemd erinnert an einen Matrosenanzug, daran gepinnt sind Dutzende Anstecker mit Donald-Visage.

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Als Severin der Stadt einige Jahre vor der Museumsöffnung angeboten hatte, seine Disney-Sammlung als Ausgangspunkt eines Ausstellungshauses zu nehmen, da wurde das „nicht gut angenommen“. Dass die Verantwortlichen es sich dann nochmal überlegten, hatte wohl vor allem materielle Gründe: „Man merkte, dass man damit ein Geschäft machen kann.“ Schwarzenbachs Wirtschaft schwächelt. Durch den Niedergang von Branchen wie der heimischen Porzellanindustrie seien viele Arbeitsplätze weggefallen.
Mit Kunstgeschichte und Archäologie ist ja in einer Kleinstadt überhaupt nichts zu machen.
Erika Fuchs
Also setzt man auf Tourismus – der noch ausbaufähig ist, wie der damalige Bürgermeister Baumann am Eröffnungstag sagte. Das nahe Fichtelgebirge und auch der Saale-Radwanderweg zögen zwar Besucher an. „Aber das neue Museum steigert die Aufenthaltsqualität und hat hoffentlich überregionale Anziehungskraft.“
Fuchs selbst hatte übrigens ein eher ambivalentes Verhältnis zu der Stadt, in der sie von 1933 bis 1984 mit ihrer Familie lebte. Die gebildete, selbstbewusste und vielgereiste Frau, die in Frankreich und England studiert hatte, war ihrem Mann Günter zuliebe hierhergekommen, einem Fabrikanten, der eine Firma für Kachelöfen betrieb.

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„Mit Kunstgeschichte und Archäologie ist ja in einer Kleinstadt überhaupt nichts zu machen“, stellte sie später lakonisch fest. „Dann habe ich Kinder gekriegt, zwei Söhne, hat auch Spaß gemacht.“
Als die Kinder groß waren, hat sie sich gelangweilt. Sie begann mit Übersetzungen für „Reader’s Digest“. Als 1951 die Zeitschrift „Micky Maus“ in Deutschland erscheinen sollte, bekam sie den Zuschlag als Chefredakteurin und Übersetzerin, wohl auch wegen ihres Doktortitels, der helfen sollte, Vorbehalte gegen die in Deutschland verpönte Kunstform Comic abzubauen.
Der Rest ist Geschichte – aber in Schwarzenbach höchst lebendig.
Die Öffnungszeiten des Museums, dem kürzlich der Institutionenpreis Deutsche Sprache 2026 zugesprochen wurde, sowie weitere Service-Informationen auf der Website www.erika-fuchs.de.
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