
© Nationaltheater Reinickendorf
Vegard Ving in Reinickendorf: Eichborndamm extrem
Zwölf Stunden Verausgabung: „Nationaltheater Reinickendorf“ heißt der jüngste Streich des Theaterberserkers Vegard Vinge.
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Sechs Jahre ist es her, dass Vegard Vinge und Ida Müller im Prater der Berliner Volksbühne mit ihrem Ibsen-Marathon „John Gabriel Borkman“ aufschlugen. Eine echte Theaterrevolution: Mit den maskierten Schauspielern, die sich wie Avatare durch ein Gesamtkunstwerk irgendwo zwischen Geisterbahn, Computerspiel, Comic und angeschrägter naiver Malerei bewegen, etablierte das norwegisch-deutsche Künstlerduo nicht nur eine völlig neue Bühnenästhetik. Sondern Vinge/Müller, die sich bis dato ziemlich exklusiv auf Henrik Ibsen gestürzt und ihn gleichsam als inszenatorischen Lieblingsfeind wirklich in originellster Weise produktiv gemacht haben, setzten auch beim Aushebeln der sogenannten vierten Wand neue Maßstäbe. Beim „Borkman“ bewarfen Schauspieler und Zuschauer einander fröhlich mit Requisiten. Und auch ansonsten brach speziell Vinge – die Künstler wirken in ihren Arbeiten stets selbst als Höchstleistungsperformer mit – die letzten Tabus der theatralen Als-Verabredung und kackte, wenn er entsprechend drauf war, schon mal in den Zuschauerraum.
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