Walser-Roman "Ein liebender Mann": Letztes Jahr in Marienbad
Martin Walser erzählt in seinem neuen Roman von Johann Wolfgang von Goethe. Nicht aber vom Dichter, wie man ihn kennt, sondern von all der Nacktheit großer Gefühle eines liebenden und deshalb arg leidenden, alten Mannes.
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Doch, doch, dieser Mann mag sich und insbesondere seinen Körper noch ganz gern, das hohe Alter von fast 74 Jahren hin oder her. Prüfend steht er da in einer schlaflosen Nacht vor dem Spiegel seines Ankleidezimmers und „konnte sich nicht wehren gegen eine Art Zärtlichkeitsempfindung, die er diesem Nackten gegenüber empfand. Und die Empfindung galt kein bisschen der Person, sondern allein der Nacktheit.“ Nun ist dieser alte, mit seiner Nacktheit ganz zufriedene Mann nicht irgendein Mann, sondern der deutsche Großdichter Johann Wolfgang von Goethe. Und dieser Goethe ist wiederum nicht der von der Literaturwissenschaft und seinen Biografen bis ins kleinste Detail erforschte Goethe, sondern ein liebender und deshalb arg leidender, alter Mann und als solcher die Hauptfigur in Martin Walsers neuem Roman „Ein liebender Mann“.
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