Oper: Mit Gewalt zum Glauben
zum Hauptinhalt
Sing um dein Leben. Matti Salminen als Gurnemanz, Klaus Florian Vogt als Parsifal und Evelyn Herlitzius als Kundry. Foto: Eventpress

© Eventpress Hoensch

Tagesspiegel Plus

Oper: Mit Gewalt zum Glauben

Heiligenbilder in Zeitlupe: Philipp Stölzl inszeniert Wagners „Parsifal“ an der Deutschen Oper. Schon lange ist auf der Bühne nicht mehr so viel Blut geflossen.

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

Es ist leicht, sich über diesen „Parsifal“ zu entsetzen, der sich traut, während des weihevollen Orchestervorspiels tatsächlich die Vorgeschichte von Richard Wagners Bühnenweihfestspiels herzuzeigen: Golgatha, Jesus haucht nach letzten Blicken gen Himmel am Kreuz sein Leben aus. Der Speer eines Soldaten schlägt ihm die Seitenwunde, Christusanhänger fangen die blutigen Tränen des Herzens im Kelch des letzten Abendmahls auf. Kreuzabnahme des wohlproportionierten Körpers, das Grabtuch wird gereicht, der Speer als Devotionalie erbeten. Fertig ist ein Inventar, das an den Opfertod des Erlösers gemahnt, für ein Ritual, das fortan Wein in sein Blut und Brot in seinen Leib verwandelt, bestimmt zum Einheit stiftenden Verzehr durch die Gläubigen.

showPaywall:
true
isSubscriber:
false
isPaid:
true
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })