Mit Kostümparade und Party: Deutsche Oper ruft zum Eröffnungswochenende – es wird durchgemacht
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Petrit Halilaj und Álvaro Urbano werden eine Parade im Charlottenburger Kiez anbieten. Hier sind sie bei einer Performance in Sydney.

© Andres Gonzalez

Mit Kostümparade und Party: Deutsche Oper ruft zum Eröffnungswochenende – es wird durchgemacht

Kuratiert wird das Eröffnungsfest vom Künstler Rirkrit Tiravanija. Der wünscht sich die Oper als lebendiges System. Man darf sich fühlen wie zu Hause.

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Es könnte nach thailändischen Gewürzen riechen. Verraten wird das jetzt noch nicht. Man könne für längere Zeit vorbeikommen, oder nur für einen kurzen Besuch, schreibt der Künstler Rirkrit Tiravanija in seinem Grußwort an die Berlinerinnen und Berliner.

Tiravanija, der 2023 eine große Ausstellung im Gropius Bau hatte, gestaltet das Eröffnungswochenende der Deutschen Oper. Eingeladen hat ihn dazu der neue Intendant des Hauses Aviel Cahn.

Opern haben das Image, elitär zu sein, trotz vieler Öffnungsversuche und Angebote für Kinder. Tiravanija ist der richtige Mann, um die Tür ein bisschen weiter aufzustoßen.

Er ist Experte für die Kunst der Begegnung. Als Künstler mit thailändischen Wurzeln, verankert in der südostasiatischen Tradition, geht es in seinen Werken weder um Objekte noch darum, etwas auszustellen. Im Museum leben, kochen, essen, spielen, Zeit verbringen – dafür ist der 1961 geborene Künstler bekannt.

Rirkrit Tiravanija

 
Der Künstler Rirkrit Tiravanija hat auch ein Standbein in Berlin.

© Daniel Dorsa

Das Eröffnungswochenende der Deutschen Oper wendet sich unter seiner Kuration explizit an alle. Es ist nicht wichtig, ob man Verdi liebt oder eine Meinung zu Stockhausen hat. Hauptsache, man verbringt Zeit in der Oper, die Tiravanija als lebendigen Organismus begreift.

30 Stunden lang ist das Haus an der Bismarckstraße geöffnet. Und zwar nicht nur Zuschauerraum, Bühne und Foyer, sondern auch Werkstätten, Büros, Küchen und Technikräume. 20 Künstlerinnen und Künstler aus seinem üppigen Berliner Netzwerk hat Tiravanija aktiviert, die die Räume bespielen.

Das Haus verändert sich durch die Menschen

Er selbst ist für sein Pad-Thai bekannt geworden, ein asiatisches Nudelgericht, das er in Ausstellungsräumen, Galerien und Museen zubereitet und mit dem Publikum verspeist. Auch in Berlin will er kochen. Was genau, wird nicht verraten. Allerdings hat er sich längst vom Pad-Thai emanzipiert. Tiravanija lehrt seit Jahren an der Columbia University, seine sozialen Experimente führt er in großen Institutionen weltweit durch, steht ungern selbst im Rampenlicht, fördert lieber seine Schülerinnen und Schüler und andere Künstler.

In Berlin sind Namen der Berliner Kunstszene dabei, die gerade steile internationale Karrieren machen. Etwa Sung Tieu, Berlinerin mit vietnamesischen Wurzeln, die aktuell den Deutschen Pavillon bei der Venedig Biennale bespielt. Sie wird eine Klanginstallation zeigen, bei der Bürokratie und die Tannhäuser-Ouvertüre zusammentreffen.

Der Künstler, Komponist und Musiker Ari Benjamin Meyers initiiert Pop-up-Konzerte mit den Musikern des Opern-Orchesters. Und es gibt einen nächtlichen Rave auf der Bühne. Bis vier Uhr morgens kann getanzt werden. Danach heißt es chillen bei Klaviermusik im Foyer.

OMSK Social Club

 
Die OMSK Social Club veranstaltet eine Party am Samstagabend.

© Jonas Schoeneberg

Tiravanija hat selbst schon Bühnenbilder für Opern gestaltet und er hat Künstler an Bord geholt, die ähnliche Erfahrungen mitbringen. Petrit Halilaj hat erst kürzlich eine Oper im ländlichen Kosovo inszeniert, die dann auch im Hamburger Bahnhof Station machte.

Halilaj wird mit seinem Partner, dem Künstler Alvaro Urbano, eine Parade organisieren. An die 300 Kostüme aus dem Fundus der Oper werden bereitliegen, Gewänder aus „Die 3 Rätsel“ oder dem „Rosenkavalier“. Das Publikum darf in die Kostüme schlüpfen. Derart gewandet wird sich der Zug die Bismarckstraße entlang und durch den Charlottenburger Kiez bewegen, musikalisch begleitet von Chormitgliedern und einem Trompeter. Zum Abschluss werden die Kostüme im Foyer der Oper zu einer Skulptur aufgebaut.

Die Künstlerin und Geruchsforscherin Sissel Tolass hat eigene Duftstoffe kreiert, die sie im Haus verbreiten wird. Der Poet in Residence Fiston Mwanza Mujila wird Gedichte zum Besten geben und Mitarbeiter der Deutschen Oper dazu auffordern, ihre persönlichen Geschichten mit dem Haus zu teilen.

Aviel Cahn beginnt mit dieser Saison seine Intendanz an der Deutschen Oper – und er will einiges anders machen. Er hat ein Dirigenten-Trio berufen, statt eines Generalmusikdirektors, er fördert grenzüberschreitendes Arbeiten, will die Öffnung zur freien Szene der Stadt. Das riesige Repertoire der Deutschen Oper möchte er pflegen und gleichzeitig mit Neuproduktionen glänzen.

„In der Oper beschäftigen wir uns zu vermutlich 90 Prozent mit Material von Künstler*innen, die nicht mehr leben. Deshalb ist es für mich ein Gewinn, mit zeitgenössischen Künstler*innen zusammenzuarbeiten, die gewohnt sind, täglich etwas Neues zu schaffen“, sagte Cahn in einem Interview anlässlich des Saisonstarts.

Auch sein Vorgänger Dietmar Schwarz hat gerne und viel mit bildenden Künstlern am Haus gearbeitet, ließ sie im Foyer ausstellen oder holte sie als Librettisten oder Bühnenbildner. Cahn setzt das fort. Wenn ein großes Haus wie die Deutsche Oper seine Ressourcen Künstlern verschiedener Sparten zugänglich macht, profitieren davon nicht nur Oper und Publikum, sondern auch die Kunstszene der Stadt.

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