
© dpa/Soeren Stache
Streit um Berliner „Volksbad“: Ein Diskriminierungsvorwurf, der lächerlicher nicht sein könnte
An diesem Freitag war das Volksbad für einen Verein reserviert, der sich als Begegnungsstätte für Menschen afrikanischer Herkunft versteht. Nach der Hetze rechter Medien folgte die Absage aus Sicherheitsgründen.

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Es war fast verdächtig still geworden um das Volksbad vor der Berliner Volksbühne, das nach seiner Eröffnung vergangene Woche einen regelrechten Hype ausgelöst hatte – auch weil es dann wegen nicht funktionierender Duschen zwei Tage lang gar nicht wie vorgesehen öffnen konnte.
Doch jetzt ist die Aufregung wieder riesig. Sie wird gesteuert von rechts und ganz rechts, von Medien wie „Welt“, „Bild“ und „Nius“. Der Grund: Die Volksbühne hatte das Baden diesen Freitag für einen Weddinger Verein reserviert, Eoto, abgekürzt für „Each one teach one“. Dieser Verein versteht sich als ein Ort des Lernens und der Begegnung für Menschen afrikanischer Herkunft und bietet soziale, kulturelle und Bildungsveranstaltungen für Menschen mit schwarzer Hautfarbe an.
Würde das Geschrei der rechten Medien in Zeiten wie diesen mit den hohen Zustimmungswerten für die AfD vor den anstehenden Landtagswahlen nicht auf potenziell fruchtbaren Boden stoßen, könnte das Ganze nicht lächerlicher sein: Es geht ihnen um die Diskriminierung von Weißen, den Ausschluss von Menschen mit weißer Hautfarbe vom Volksbad. Von Menschen also, die hierzulande Diskriminierung noch nie am eigenen Leib erfahren haben.
Werden hier Menschen nach Hautfarben eingeteilt?
Die AfD hat sich in den sozialen Medien schon angeschlossen („Rassentrennung auf Staatskosten“), eine versprengte Pankower CDU-Abgeordnete ebenso. Etwas moderater äußerte sich der Spitzenkandidat der CDU, Stefan Evers, gegenüber der „Bild“-Zeitung, dass er „ein Freund des Miteinanders“ sei und nichts davon halte, „Menschen nach Hautfarben einzuteilen“.
Und nun? Hat die Volksbühne den für Eoto reservierten Badetag abgesagt, aus Sicherheitsgründen: „Wir können die sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher*innen ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag.“, hieß es in einer Mitteilung am späten Donnerstagnachmittag.
Aber haben die Volksbühne und ihr Intendant Matthias Lillienthal überhaupt nach Hautfarbe sortiert, gar weiße Menschen diskriminiert? Sie wollten lediglich einem Verein das Volksbad überlassen, so wie auch andere Schwimmbäder immer mal wieder zu bestimmten Tageszeiten nur spezielle Gruppen zulassen.
In diesem Fall war es eben einer, der sich in Berlin um die schwarze Community sorgt. Auch der Streetworkerverein Gangway und der Verein Flussbad Berlin dürfen in den nächsten Wochen das Volksbad einen Tag ganz für sich und ihre Klientel bespielen.
Lilienthal hat auch theaterferne Gruppen im Blick
Geschickt war es nicht, dass die Volksbühne zunächst ankündigte, dass das Volksbad am Freitag „exklusiv für schwarze Communitys“ geöffnet sei, was sie einen Tag später korrigierte. Aber es gehört nun einmal zum Programm von Matthias Lilienthal, Theater – und damit auch das Volksbad – als soziokulturellen Ort zu verstehen und Personengruppen anzusprechen, für die das Theater kein Habitat ist. Migranten aus dem Wedding waren jedenfalls an den Tagen, an denen das Volksbad bislang geöffnet hatte, nicht zu sehen.
Zumal Lillienthal in Richtung der Berliner Lokalpolitik auch bekräftigt hat, dass der für Eoto reservierte Tag nach den Regeln des Antidiskriminierungsgesetzes des Landes Berlin vereinbart wurde und von der Ombudsstelle für Antidiskriminierung des Berliner Senats begrüßt worden sei. Ob „die anderen gesellschaftlichen Gruppen“, die er im Blick hat, sich ihrerseits von so einem Angebot nicht etwas gönnerhaft behandelt und instrumentalisiert fühlen, steht noch einmal auf einem anderen Blatt.
Aber die Vorzüge eines Safe Space wissen die Menschen zu schätzen, die wirklich diskriminiert werden, also sicher nicht solche mit weißer Hautfarbe. Man solle nicht „auf dem Rücken der People of Colour über die Entscheidung der Volksbad-Organisatoren streiten‘“, hat wiederum Steffen Krach der „Bild“ gesagt, der Spitzenkandidat der SPD für die bevorstehenden Landtagswahlen.
Doch genau das machen die Rechten, wenn sie jetzt von Diskriminierung, Ausschluss oder Hautfarbensortierung sprechen. Schon am Samstag werden wieder, so denn die Duschen repariert sind, die üblichen Verdächtigen, die Menschen aus der Mitte-Theaterszene, im Volksbad planschen und Pommes mit Schranke verzehren.
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