
© Imago/Jan Huebner
Sachsens Innenminister spricht von „Gewaltfolklore“: Wie Polizei, Politik, Spieler und Vereine auf die Ausschreitungen in Dresden reagieren
Am Tag nach den chaotischen Szenen beim Zweitliga-Spiel Dresden gegen Hertha gibt es eine erste Bilanz der Polizei und weitere Reaktionen. Besonders scharfe kommen aus der Politik.
Stand:
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.
Einen Tag nach den chaotischen Szenen im Rudolf‑Harbig‑Stadion wird deutlicher, wie es zu den Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC kommen konnte.
Eine detaillierte Darstellung der Polizei und neue Reaktionen aus beiden Vereinen zeichnen nach, was passiert ist und wie die Beteiligten die dramatischen Szenen während des Spiels erlebten. So sprach Herthas Geschäftsführer Peter Görlich von einer „klar überschrittenen Grenze“. Dresdens Trainer Thomas Stamm nannte den Abend „eine große Enttäuschung“.
Laut einer nächtlichen Mitteilung der Polizeidirektion Dresden hatten zunächst Anhänger aus dem Berliner Gästeblock die Absperrung am Spielfeldrand überwunden und waren in den Innenraum gelangt. Erst in der Folge stiegen rund 60 Dresdner Fans über Barrieren und liefen in Richtung Gästeblock. Die Polizei spricht von Auseinandersetzungen im Innenraum und davon, dass Pyrotechnik als Wurfgeschoss eingesetzt wurde.
Für den Einsatz waren 750 Kräfte aus Sachsen, Bayern und Thüringen vor Ort. Insgesamt wurden mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren eingeleitet – darunter wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und auch Ticketbetrugs. Etwa 600 Hertha-Fans verließen demnach nach der Unterbrechung geschlossen das Stadion. Sie wurden dabei von der Polizei begleitet.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Neben der Pyrotechnik spielte nach Angaben beider Vereine wohl eine entwendete Hertha-Fahne eine zentrale Rolle für die Eskalation. Dresdens Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann erklärte, es sei „wohl eine Fahne vom Gastverein weggegangen“.
Bildmaterial aus dem Stadion zeigt, wie eine Berliner Fahne während der Unterbrechung im sogenannten „K‑Block“ der Dynamo-Anhänger verbrannt wurde. Hertha-Geschäftsführer Görlich sagte dazu: „Sobald man auf andere Menschen mit Pyrotechnik schießt, hört es für mich einfach auf.“ Unklar bleibt weiterhin, wann und wie die Fahne überhaupt in die Hände Dresdner Fans gelangte.
Plötzlich lief irgendwer über den Platz und dann mussten wir auch schon rein.
Fabian Reese, Hertha-Kapitän
Mehrere Hertha-Profis schilderten noch vor TV-Kameras am Samstagabend, wie sie die Szenen erlebt hatten.
„Als Sportler ist man so in seinem Tunnel, auf einmal hat es überall geknallt. Es gab Rauch und Nebel, die Atmosphäre war insgesamt schon krass. Plötzlich lief irgendwer über den Platz und dann mussten wir auch schon rein“, sagte Fabian Reese und Torwart Tjark Ernst erklärte: „Solche Dinge haben im Fußball nichts verloren, er sollte vereinen.“
Toni Leistner fasste zusammen, was viele Spieler und Trainer am Samstag dachten: „Was da im ersten Durchgang passiert ist, hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen.“
Hertha-Trainer Stefan Leitl nannte den Abend „einen traurigen Tag für Fußball-Deutschland“. Für seine Mannschaft sei es extrem schwierig gewesen, nach der rund 20-minütigen Unterbrechung wieder den Rhythmus zu finden. Dresdens Trainer Thomas Stamm sagte: „Es war eigentlich alles angerichtet für einen tollen Fußballabend. Dass jetzt andere Dinge überwiegen, wird dem gesamten Spiel nullkommanull gerecht.“
Dynamo Dresden veröffentlichte noch in der Nacht eine ausführliche Stellungnahme. Geschäftsführer Zimmermann erklärte darin, die gezeigten Bilder seien „nicht akzeptabel“ und schadeten „dem gesamten Fußball in Deutschland massiv“. Der Verein wolle die Vorfälle nun gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden und Fanvertretern auswerten. Auch Hertha kündigte eine interne Aufarbeitung an.
Der Deutsche Fußball-Bund bestätigte derweil, dass der Kontrollausschuss zu Beginn der neuen Woche Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine einleiten wird.
Sachsens Innenminister Armin Schuster reagierte am Sonntag mit deutlichen Worten: „Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben, meine Geduld hat hier endgültig ein Ende.“
Sachsens Innenminister Schuster reagiert mit drastischen Worten
Die gestrigen Vorkommnisse stünden Schuster zufolge „symbolisch für die Gewaltfolklore in deutschen Fußballstadien“ und stellee die gesamten bisherigen Verhandlungen mit DFB und DFL in Frage. Weiter sagte der CDU-Politiker: „Die Ergebnisse einer präzisen Aufarbeitung dieses Spiel durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei lasse ich mir persönlich vorlegen.“
Schuster verwies auch bereits auf eine anstehende Innenminsterkonferenz. Der Charakter dieser Besprechungen werde „maßgeblich davon geprägt sein, wie „drakonisch“ die Konsequenzen seien, die die Ausschreitungen von Dresden nach sich ziehen würden. „DFB, DFL und die Vereine können nur noch mit Wirkung überzeugen.“
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false