
© dpa
Arbeitsmarkt: In der Winterpause
Im Januar ist die Zahl der Arbeitslosen wieder über drei Millionen gestiegen, allerdings weniger stark als erwartet. Gewerkschaft und Arbeitsmarktexperten warnen vor den Risiken.
Stand:
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.
Die sibirische Kälte der letzten Januartage täuscht. Der Winter war bislang milder als in den Vorjahren – und das hat dem deutschen Arbeitsmarkt gut getan. Insgesamt 3,082 Millionen Menschen suchten laut Bundesagentur für Arbeit (BA) zu Jahresbeginn einen Job. Dies waren zwar wieder mehr als drei Millionen und mehr als im Dezember – aber BA-Chef Frank- Jürgen Weise konnte am Dienstag die zweitniedrigste Arbeitslosenzahl in einem Januar seit der Wiedervereinigung präsentieren. Die Quote lag bei 7,3 Prozent. „Wir sind selbst überrascht“, räumte Weise ein. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist geringer als erwartet und er ist deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich mit den Zahlen zufrieden. „Nach wie vor ist weiterhin auf dem Arbeitsmarkt von einer konjunkturellen Abschwächung nichts zu merken“, sagte sie in Berlin. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hob die stabile positive Entwicklung hervor. „Ermüdungserscheinungen sind nicht sichtbar.“ Saisonbereinigt würden sich der Beschäftigungsaufbau und der Abbau der Arbeitslosigkeit weiter fortsetzen. Doch der Mythos vom deutschen Jobwunder, das die Bundesregierung gerne für sich beansprucht, ist eine Sache der Interpretation. Gewerkschaften und Arbeitsmarktexperten finden bei der Analyse der Zahlen Alarmierendes: der Niedriglohnsektor und die unsicheren Beschäftigungsverhältnisse bekommen ein immer größeres Gewicht, Langzeitarbeitslose und Ältere finden immer schwerer einen Job, die Beschäftigungsquote in Deutschland stagniert – trotz Wirtschaftswachstum – seit 20 Jahren.
„Die im Vorjahresvergleich positive Entwicklung der Arbeitslosenzahlen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Arbeitsmarkt für Jung und Alt weiterhin prekär bleibt“, sagte Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, am Dienstag in Berlin. Von guter Arbeit mit anständigen Löhnen und sicheren Perspektiven seien gerade junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer meilenweit entfernt. „Jede zweite Neueinstellung erfolgt nur befristet. Rund ein Drittel der freien Stellen ist in der Leiharbeitsbranche.“
- showPaywall:
- true
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- true