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Aus dem Kopf oder aus den Genen?: Woher sexuelle Fantasien kommen
Draußen im Park? Zu mehreren? In Handschellen? Wunschvorstellungen, die Menschen von Sex haben, sind vielfältig. Aber woher kommen diese Gedanken?

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Ob Mann oder Frau, jeder und jede hat sexuelle Fantasien. Die einen häufiger, die anderen seltener, die einen mehr, die anderen weniger ausgefallen. Logisch: Eine klare Vorstellung davon zu haben, mit wem man seine Gene austauschen möchte, kann der Sache nur förderlich sein.
Werden die anregenden Bilder im Kopf also schon lange vor der Pubertät angelegt, sind sie womöglich sogar vorprogrammiert in den Genen? Im Dienste einer arterhaltend erfolgreichen Fortpflanzung?
Klar ist, dass sich erotische Wunschvorstellungen positiv auf das Glück, die Beziehungen und die sexuelle Aktivität von Menschen auswirken. So fehlen sie beispielsweise bei Menschen mit mangelndem sexuellem Verlangen (Hypoactive sexual desire disorder).
Ihr „Zweck“ bestehe darin, „die Erregung zu steigern und beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus zu erreichen“, sagt der Lissaboner Psychologe Rui Miguel Costa. Sexuelle Fantasien seien „ein Spiegelbild evolutionärer Mechanismen, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Überlebens- und Fortpflanzungschancen zu maximieren“, so die polnische Psychologin Maria Szymkiewicz.
Dazu passt, dass Frauen anderen erotischen Vorstellungen nachhängen als Männer: Frauen geben eher an, dass ihre Fantasien durch eine Beziehung ausgelöst wurden, während Männer ihre ersten Fantasien meist als Reaktion auf einen visuellen Reiz haben, wie Szymkiewicz erläutert.
Auch die Frequenz ist auffallend unterschiedlich: Männern gehen rund sieben Mal am Tag sexuelle Fantasien durch den Kopf, Frauen geben vier bis fünf erotische Tagträume an. Wobei das aber auch damit zusammenhängen könnte, dass soziale Normen die sexuelle Freizügigkeit von Frauen eher unterdrücken und geläufige Darstellungen in den Medien eher Männer als Frauen anregen.
Besonders häufig sollen Menschen mit einer eher „neurotischen“, also reizbaren, nervösen oder emotional labilen Persönlichkeit sexuelle Fantasien haben, so das Ergebnis einer Studie mit über 5000 Erwachsenen.
Sie wurden etwa gefragt, ob sie sich vorstellen, „an einer Orgie teilzunehmen“, „im Freien Liebe zu machen“, „anderen beim Sex zuzusehen“ oder „zu etwas gezwungen zu werden“. Auch Menschen mit einer eher „gewissenhaften“ oder „umgänglichen“ Persönlichkeitsstruktur hatten solche Fantasien, jedoch seltener.
Das zeigt bereits, dass erotische Fantasien nicht allein „aus den Genen“ entstehen können, sondern von der jeweiligen Persönlichkeit und anderen Faktoren, etwa frühen Lebenserfahrungen, beeinflusst werden. Szymkiewicz zufolge haben sie „einen starken kreativen Aspekt, der durch die Vielzahl der Themen, Charaktere und Schauplätze, über die wir fantasieren können, unterstrichen wird“.
Dennoch sind auch Gene involviert. Das zeigt sich etwa bei Personen, die einen besonderen „Kick“ brauchen, um das gleiche Maß an Erregung zu empfinden wie andere. Das kann mit einer Mutation im DRD4-Gen zusammenhängen, das den Bauplan eines Sensors für das „Belohnungshormon“ Dopamin enthält.
Wenn dieser defekt ist, wie im Fall der 7R-Mutation des DRD4-Gens, dann entsteht erst bei höheren Dopaminkonzentrationen ein Glücksgefühl im Körper, etwa beim Orgasmus. Es braucht stärkere Reize, stärkere Fantasien.
Warum jedoch den einen bestimmte Rundungen erregen, andere hingegen schwarze Stiefel, breite Schultern oder glattrasierte Wangen, das bleibt in der Komplexität des Zusammenspiels von Genen, Lebenserfahrung und Sozialisation verborgen. Zum Glück. Die Gedanken, auch die sexuellen, bleiben frei.
„Der Erbonkel“ – Geschichten rund um Gene, jedes Wochenende.
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